

Gesellschaft und Jugendkriminalität: Oft übersehene Problemfelder!?
Zuerst einmal muss festgestellt werden, dass die Jugendkriminalität schlicht und einfach ein Abbild der Probleme der Erwachsenenwelt sind. Ganz platt ausgedrückt: Jede Gesellschaft hat das Maß an Jugendkriminalität, das sie verdient! Diese einfache Erkenntnis nimmt sofort jedes einzelne Mitglied der Gesellschaft in die Pflicht: Zivilcourage ist gefragt, da das Wegschauen den Tätern Selbstbewußtsein gibt. Gewalt blüht in der Anonymität, wie die Erfahrung zeigt. Bedauerlicherweise leidet unsre Gesellschaft auch an einer unklaren Positionierung in Hinblick auf Gewalt als Mittel, den eigenen Willen durchzusetzen. Das Klischee der Männlichkeit, welches in den Medien und auch in vielen Familien dargestellt wird, läßt es gerade für männliche Jugendliche nicht gerade vorteilhaft erscheinen, sich zurückhaltend und gemeinschaftlich zu präsentieren.
Auch hat der Faktor Nationalität einen weitaus geringeren Einfluß auf die Kriminalität Jugendlicher als Bildung und Wohnumfeld, was ebenfalls leider in den Köpfen der Menschen zu wenig präsent ist. Ghettoisierung trägt weitaus mehr zur Entstehung von Jugendkriminalität bei, als wir wahrhaben wollen.
Großen Einfluß haben außerdem Alkohol und Drogen. Dies mag etwas abgedroschen klingen und mancher der geschätzten Leser wird an dieser Stelle genervt den Kopf schütteln. Jedem von uns ist wohl klar, wie leicht unter Alkoholeinfluß kleine oder große Dummheiten vollbracht werden, ohne dass dies an dieser Stelle ausgeführt werden muss. Es wird jedoch einfach zu selten betont, dass zu hoher und häufiger Alkoholkonsum und auch Kiffen (das, nebenbei gesagt, längst zu einem gesellschaftlichen Phänomen geworden ist!!) die psycho-soziale Entwicklung von Heranwachsenden aufhält. Wenn man nun noch die wissenschaftliche Erkenntnis hinzuzieht, dass das Austesten von Grenzen in einem bestimmten Alter, bei Jungen etwa zwischen 14 und 18 Jahren, sozusagen dazugehört, kann man sich leicht ausmalen, was passiert, wenn Jugendliche gerade auf dieser Stufe des Erwachsenwerdens stehen bleiben! So bleibt Kriminalität keine episodenhafte und altersabhängige Erscheinung, sondern weitet sich aus – sowohl in der Anzahl, als auch in der Härte der Delikte.
Ganz deutlich muss gesagt werden, dass die Schließung von Jugendzentren und Jugendfreizeiteinrichtungen absolut kontraproduktiv sind. (Man denke hierbei an die Schließung einiger Jugendzentren durch SPD und CDU 2006 und die aktuellen Debatten um die Alte Feuerwache!) Die Stadt schneidet sich dadurch dermaßen ins eigene Fleisch, dass es jedem von uns wehtun müßte.
Leider muss ebenfalls darauf hingewiesen werden, dass in Bergisch Gladbach die Personalsituation beim Jugendgericht recht angespannt ist. So bearbeitet die Staatsanwaltschaft pro Person etwa 2000 Verfahren pro Jahr, während die Jugendgerichtshilfe eine Betreuungssituation von 80 bis 100 Fällen pro Person und Jahr zu bearbeiten hat, wie uns Jugendrichter Herr Sellmann und Frau Winterberg von der JGH mitteilten. Obwohl gute Kooperation zwischen Polizei, Jugendgericht und Gerichtshilfe geleistet wird, ziehen sich die Verfahren oft in die Länge.
Im nächsten Teil des Artikels gehen wir auf effiziente und ganz konkrete Lösungsansätze und Präventionsmaßnahmen ein, die für unsere Stadt von Bedeutung sein können.
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