Na, wie groß werden wohl noch die Löcher in den öffentlichen Haushalten??? › theo
theo
KIDitiative im Rat der Stadt Bergisch Gladbach
Rathaus
51439 Bergisch Gladbach
Tel + Fax: 02202 / 14 24 44
Email: info@kiditiative.de
Internet: www.kiditiative.de

17.08.2009

"Nicht wie Nero alles niederbennen"

Bergisch Gladbach - „Politik ist für viele Jugendliche weit weg, trocken und uninteressant.“ Alexander Voßler muss es wissen, denn der 31-Jährige lebt von seinem Gespür für das, was junge Leute begeistert. Als Wirt der Szene-Kneipe „Quirls“ ist es ihm gelungen, die gastronomische Marktführerschaft in der Zielgruppe U-30 in den Biergarten neben der evangelischen Gnadenkirche zu ziehen. Und damit das „Quirls“ dort bleibt und nicht im Zuge der Regionale 2010 der Abriss-Birne zum Opfer fällt, hat ihn die Jugendpartei KIDitiative als Bürgermeister-Kandidat auf den Schild gehoben.

Der Gastronom macht sich keine Illusionen, was seine Wahlchancen angeht, aber er sieht in der Kandidatur ein Signal: „Ich finde die KIDitiative wichtig, weil sie junge Leute an Politik heranführt.“ Und die Politik an die jungen Leute, denn da sieht Voßler auch noch allerlei Nachholbedarf. „Wenn abends junge Leute nach Köln fahren, weil da mehr los ist, dann kann man dagegen nichts machen. Köln können wir nicht ausstechen. Aber wenn sie nach Leverkusen fahren, dann ist das ein Armutszeugnis für Bergisch Gladbach.“

Rund um das Quirls sieht Voßler eine Menge Potenzial, um den Stadtkern attraktiver zu machen. „Da muss man aber nicht gleich rangehen wie Nero und alles niederbrennen, um es dann wieder aufzubauen.“ Das koste schließlich auch Geld, und die KIDitiative sei vor allem kostenbewusst. Sie warnt vor der Schuldenlast für kommende Generationen. Voßler kann zum Beispiel keinen Grund erkennen, das „Quirl's“ und das Nachbarhaus abzureißen, nur um einen begehbaren Mittelstreifen in der Straße anzulegen, wie im Regionale-Konzept vorgesehen.

Stattdessen könnte man die beiden Häuser zusammen zu einem Schmuckstück entwickeln. „Ich würde das Quirls gerne erweitern, wenn die Stadt das Nachbarhaus verkaufen oder vermieten würde.“ Statt blindwütig Werte zu vernichten, könnte die Stadt davon profitieren. Auch ein paar Schritte weiter an der Kreuzung Odenthaler und Hauptstraße, wo das 200 Jahre alte Wirtshaus Waatsack nach Beschluss von SPD und CDU im Hauptausschuss verschwinden soll, schüttelt Voßler den Kopf über die Planung mit der Spitzhacke: „Ich verstehe nicht, warum man partout einen Kreisverkehr durchsetzen und ein altes Baudenkmal dafür abbrechen will, wenn die Verkehrsexperten sagen, es bringt nichts. Dahinter steckt doch nur wieder Grundstücksspekulation.“

Voßler ist jedoch nicht prinzipiell gegen Neubauten: „Wir brauchen unbedingt ein neues Kino“, ist er etwa überzeugt. Einen Standort sieht er etwa im heutigen Forum-Park. Ein neues Lichtspielhaus gehört für ihn zu den Grundforderungen, um die Stadtmitte im Freizeitbereich für die Jugend wieder konkurrenzfähig zu machen. „Es gibt zu wenig Möglichkeiten, auszugehen.“ Um Leben in die Stadt zu bringen, muss sie aber Ausstrahlungskraft nach außen gewinnen.

„Eine Stadt muss ein richtiges Zentrum ausbilden“, sagt er, während er die Fußgängerzone abschreitet, „Gerade bei einer Nachbarschaft wie Köln. Aber die Lebensqualität in den Nebenzentren darf nicht leiden. Die Leute wollen vor allem eins: In Frieden wohnen und ihre Kinder groß ziehen.“ Es gehe darum, den Gegensatz zwischen dem Anspruch auf moderne, urbane Freizeitangebote und dem Wunsch nach kleinräumiger Geborgenheit aufzulösen.

Dazu gehört für Voßler auch, dass eine Stadt nicht im Verkehr ersticken darf. „Es ist ein Unding, dass ich, wenn ich von Gladbach nach Bonn fahre, die Hälfte der Zeit brauche, um es bis zur Gladbacher Stadtgrenze zu bringen. Wir brauchen unbedingt einen Autobahnzubringer, egal ob über den Bahndamm oder wo auch immer.“