

Haushaltsrede der KIDitiative von Fabian Schütz am 14.12.2010
Sehr geehrter Herr Bürgermeister, sehr geehrte Damen und Herren,
Von draußen vom Walde komm ich her,
ich sage Euch, es haushaltet sehr.
Weihnachten liegt vor der Tür und das Wetter ist ja auch so, was liegt also näher als eine
kleine Lesung aus dem Weihnachtsevangelium.
Das Weihnachtsevangelium bedeutet ja eigentlich die frohe Botschaft der heiligen Nacht für
die Menschheit. Wir aber werden heute eher schlechte Nachrichten an einem traurigen Abend
für unsere Bürgerschaft verkündet bekommen.
Also Bad News in einer noche triste. Nur für die Presse sind bad news ja eher good news,
aber sogar unsere Lokalredakteure hier werden sich über diese Nachrichten nicht freuen
können:
Steuererhöhungen, ein jetzt schon nicht genehmigungsfähiges Haushaltssicherungskonzept
und vor allem ein nicht ausgeglichener Haushalt mit einem sogenannten Haushaltsloch von
rund 20 Mio. Euro. Also viele Millionen neue Schulden, die auf den ohnehin schon großen
Schuldenberg oben noch draufkommen.
Das alles firmiert unter der Überschrift Nothaushalt, der eigentlich für die vorläufige
Haushaltswirtschaft gedacht ist. Ein Provisorium, das zum Dauerzustand wird.
Aber das ganze ist ja nicht so neu sondern hat eine lange, fast schon alte Vorgeschichte:
In jenen Tagen erließ Landrat Menzel den Befehl, alle freiwilligen Leistungen der Städte und
Gemeinden in Korridorlisten einzutragen. Dies geschah nicht zum ersten Mal; damals war
Orth Bürgermeister von Bergisch Gladbach.
Da ging jeder Bürgermeister in seine Stadt, um seine Freiwilligen Leistungen eintragen zu
lassen. So zog auch Klaus Orth von der Stadt Bergisch Gladbach im Bergischen Land hinauf
zum Kreishaus in die Stadt Menzels, die Kommunalaufsicht heißt; denn er war von Haus aus
Ökonom. Er wollte den Korridor eintragen lassen mit Jürgen Mumdey, seinem Kämmerer, der
einen Haushalt erwartete.
(Gute Besserung und Gottes Segen von hier aus an Herrn Mumdey!)
Als sie dort waren, kam für Jürgen Mumdey die Zeit der Wahrheit, und er legte seinen
Haushalt vor, den ersten nach NKF. Sie wickelten ihn in Schulden und legten ihn in eine
Rücklage, weil in der Kasse kein Geld mehr war.
In jenem Feld umlagerten auch Hirten, Träger und Ratsherren (Und Ratsherrinnen!) die
freiwilligen Leistungen und hielten Wache bei ihrer Schäfchen.
Da trat der Bote des Landrats zu ihnen und der Glanz des Landrats umstrahlte sie. Sie
fürchteten sich sehr, der Bote aber sagte zu ihnen: Fürchtet euch nicht, denn ich verkünde
euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteil werden soll: Heute ist euch im Kreishaus
die Rettung erschienen; es ist der Korridor und das HSK. Alle freiwilligen Leistungen sind
im Korridor und was im Korridor ist, das sind freiwillige Leistungen. Und das soll euch als
Zeichen dienen: wenn Ihr ein Kind finden werdet, das in einer Krippe ist, oder in einem
Jugendzentrum, dann ist das freiwillig. Und plötzlich war bei dem Boten ein großes Rats-
Heer, das den Haushalt lobte und sagte: Ja und Amen.
Soweit die Vorgeschichte wie und warum manches an sogenannten freiwilligen Leistungen
im Korridor ist und anderes nicht. Uns erscheint das und auch die 10 % Einsparvorgabe etwas
willkürlich.
Ihr Kinderlein kommet...
Generationengerechtigkeit soll nach unserm neuen Bürgermeister der Leitgedanke des
Haushalts sein. Und mit dem Ziel der familienfreundlichsten Stadt hat Herr Urbach und hat
die CDU guten Wahlkampf gemacht. Das jetzt vorgelegte Konzept der offenen Jugendarbeit
stammt aber zum großen Teil von den Trägern selbst, die damit das schlimmste verhüten und
vermeiden wollen, um ein möglichst gutes Angebot für die Kinder und Jugendlichen in
unserer Stadt aufrechtzuerhalten. Das ursprüngliche Konzept der Verwaltung Urbach sah
Schließungen und nur noch drei Jugendzentren vor.
In seiner Haushaltsrede hat der Bürgermeister Urbach einige Fragen gestellt:
„Wer berät den Haushalt konstruktiv?
Wer duckt sich weg?
Wer stellt nur Forderungen auf, ohne Deckungsvorschläge mitzuliefern?
Wer entzieht sich der Verantwortung?“
Wir haben jetzt und in der Vergangenheit den Haushalt mit konstruktiver Kritik beraten. Wir
haben sogar Einnahmeverbesserungen vorgeschlagen, bspw. Die Vergnügungssteuer leicht
anzuheben, da hat dann „die Verwaltung“ Angst vor Rechtsunsicherheit. Bei einem
Pauschalbetrag ohne klaren Tarif wie bei der Hundesteuer-Anhebung aber ist sich die
Verwaltung ganz rechtssicher, aber der kommt ja auch von der CDU und wenn die bellt,
gehorcht „die Verwaltung“ ja ( meist) auch aufs Wort.
Wir ducken uns nicht weg, wir entziehen uns nicht der Verantwortung, aber wir stimmen auch
nicht einem Haushalt zu, der nicht unsere Handschrift, sondern nur die der CDU und des
Bürgermeisters Urbach trägt.
„Ich denke, jeder Mensch in dieser Stadt weiß, dass wir radikal sparen müssen, aber so
richtig akzeptieren, will das keiner von uns.“
Wenn meinen Sie hier mit Mensch und uns? Die Bürger, den Rat oder die Verwaltung?
Wahrscheinlich weiß es jeder Bürger, aber vielleicht sind Beamte ja keine Menschen. Der
Wille und die Akzeptanz „richtig zu sparen“ sind bei den normalen Bürgern weit größer
ausgeprägt als gemeinhin angenommen. Das Akzeptanzproblem liegt wohl eher bei der
Minderheit der Lobbyisten und vielleicht auch bei Teilen der Verwaltung.
Aber auch bei der Politik. So leisten, und zwar auch „leisten“ im wörtlichen Sinne von kosten,
wir uns vier stellvertretende Bürgermeister, nicht weil soviel zu tun wäre, sondern damit der
Parteienproporz stimmt. In der Weihnachtsgeschichte genügen drei Heilige Könige zur
Begrüßung und Ehrung, aber das waren ja auch Weise aus dem Morgenland.
Herrn Bürgermeister Urbach ist auch „ der Austausch von Meinungen, Anregungen undBedenken viel wert...“
Das hören wir gerne und sehen ja auch erste Erfolge. Was die von uns schon seit langem
geforderten Steuererhöhungen angeht, hat die Verwaltungsspitze und wohl auch die CDU ihre
Beratungsresistenz aufgegeben und jetzt eine Grundsteuererhöhung auf 490 Punkte
vorgeschlagen, was noch vor einem guten halben Jahr abgelehnt wurde.
Manchmal spielt der Bürgermeister aber auch gerne etwas Knecht Ruprecht, besonders wenn
es um die ungläubigen Schmuddelkinder geht, die kommen in die Besenkammer unterm Dach
und auch anderen kritischen Geistern mit eigener Meinung droht er schon mal mit
Stubenarrest oder gleich dem Rauswurf aus dem Rathaus.
Die Hoffnung auf die Kommunalfinanzreform von oben lässt noch etwas auf sich warten, der
Weltuntergang namens Überschuldung hoffentlich auch, aber der Bürgermeister hat auch hier
Erkenntnisgewinne zu verbuchen und zwar:
„...Um unseren Beitrag zu leisten, die kommunale Finanzmisere aus eigener Kraft besser in
den Griff zu bekommen.“
Wir glauben nicht, dass das auch ohne Personalabbau möglich ist. Personalabbau ist dabei
nicht das Ziel an sich, aber doch eine deutliche Einsparung beim Personaletat.
Wie das aber nicht funktionieren kann, steht auf Seite 73 und 77 des Haushalts. Dort werden
2010 auf 2011 zwar von 96,35 Stellen 30,35 Stellen abgebaut auf 69,00 Stellen, aber die
Kosten steigen von 5,66 Mio. auf 6,12 Mio.
Wenn wir so weitermachen, dann landen wir aus dem Fegefeuer des Nothaushaltes bald in der
Hölle der Überschuldung.
Ich glaube auch nicht mehr an den Weihnachtsmann, aber leider auch nicht an den Willen,
wirklich den Haushalt auszugleichen und die Stadt zu sanieren.
Ich bin nicht der Nikolaus (die sind ja namentlich mehr bei der SPD zu finden) und habe
leider keine Geschenke (außer Cola) zu verteilen aber auch keine Stimmen zu verschenken.
Deshalb werden wir diesem Haushalt so nicht zustimmen.
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